Der Fall des Polizisten

Basierend auf FAZ vom 24.10.2015, Yvonne Staat

Ein 55jähriger Polizist bricht bei einem Sporttest mit Herzstillstand zusammen. Er wird notfallmäßig reanimiert, in der Folge der Behandlung auf der Intensivstation noch weitere zwei Male. Bereits vor dem dritten Mal steht fest, dass sein Gehirn durch Sauerstoffverlust fast vollständig abgestorben ist. Er liegt seitdem und seit 18 Monaten im Wachkoma ohne Aussicht auf Veränderung. Der einfühlsame Bericht von Yvonne Staat geht keinem, der ihn gelesen hat, so rasch aus dem Kopf. Sie schildert auch die Tortour der verzweifelten Familie. Die Journalistin schreibt, dass der Arzt rechtlich nicht reanimieren darf, wenn der Eingriff keinen Sinn macht. Sie weist auch darauf hin, wie schwer eine solche Sinn-Entscheidung von Ärzten zu treffen ist, die ja den weiteren Verlauf selten genau vorher sehen können. Wie sie weiter ausführt, muss der Betroffene jeder Behandlung überdies zustimmen.

Unsere Beurteilung des Falls: Wenn der Patient wie hier bewusstlos war und sich nicht äußern konnte, kann nur auf den mutmaßlichen Willen abgestellt werden. Eine Patientenverfügung hätte helfen können, diesen mutmaßlichen Willen zu ermitteln. Klare Formulierungen zur Haltung des Patienten und Anweisungen zum Umgang mit einer solche Situation hätten jedenfalls die dritte Reanimation verhindern können.


Zur Auswahl der geeigneten bevollmächtigten Person

Ein Beispiel aus der Praxis

Es geht um die heute 88jähige kinderlose Frau T. aus Düsseldorf. Ihr Mann verstarb früh, bis auf eine etwa gleich alte Schwägerin waren keine weiteren Verwandten vorhanden. Diese setzte Frau T. 2005 als Vorsorgebevollmächtigte ein, als weitere Bevollmächtigte eine Bekannte, deren Kind sie jahrelang regelmäßig betreut hatte. Die Schwägerin verstarb 2012. Seitdem ist für Frau T. die weitere Bevollmächtigte tätig und trifft alle Entscheidungen, die Frau T. überfordern. Frau T. konnte mit dieser Unterstützung in ein Pflegeheim ihrer Wahl umziehen und fühlt sich umsorgt.

Diese vertrauensvolle Beziehung, die ohne verwandtschaftliche Grundlage trägt, ist ein Segen für Frau T.. Fast familiäre Bande sind durch die Behütung des Kindes entstanden. Sie waren der Auslöser für die Bereitschaft der Kindesmutter, das Amt anzunehmen und etwas zurückzugeben.